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Friedenau und Johann Anton Wilhelm von Carstenn

 

 

Ein Beitrag von Peter Lemburg, Büro für Architektur und Baugeschichte

Bild von JAW Carstenn, Carstenns Grab in Lichterfelde, Situationsplan Friedenau

 

Friedenau hat viele Gründungsväter. Einige sind durch Straßennamen verewigt, so David Born, Hermann Hähnel, Adolf Fehler - zahllose andere Persönlichkeiten, man denke nur an Theodor Heuss, Rosa Luxemburg oder Günter Grass sind über ihre Werke hinaus als ehemalige Mitbewohner fest in die Friedenauer Geschichte eingeschrieben.

Ein Mann aber ist gegenwärtig wie kein anderer - nicht etwa durch besondere Ehrenzeichen oder historische Ereignisse - sondern durch viel mehr: Friedenaus gesamte Ortsgestalt.

Dieser als vermeintlicher „Spekulant“ lange verkannte Mann war der „selfmademan“J.A.W. Carstenn, zunächst erfolgreicher hanseatischer Kaufmann, dann weitsichtiger Städtegründer und „Entwickler“. Er erwarb nicht nur die Ländereien, auf denen wenig später Landhauskolonien entstanden, er gab ihnen auch die bis heute erhaltene, charakteristische Gestalt. Als „Carstennfigur“ sind sie in die Fachsprache der Städtebauer eingegangen.

In seinem „Baubureau“ entwickelte er mit seinen „Beamten“ den so einfachen wie einprägsamen Ortsteilgrundriß Friedenaus mit der grandios am Kurfürstendamm orientierten „Kaiserallee“ als Mittelachse (heute Bundesallee), mit geraden und gebogenen Straßen, seinen zum Teil wohlerhaltenen Rund- und Rechteckplätzen, seinen je nach Bestimmung und Funktion variierten Straßenbreiten, stellte durch „Ortsstatute“ Bauauflagen fest, machte Vorschläge für die Vorgärten, Straßenbaum-Pflanzungen und nahm über assoziierte Baumeister und Architekten Einfluß auf die erste Generation der noch an so mancher Straße erhaltenen Landhäuschen.