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Die März-Empfehlung der Buchhandlung Thaer: Paul Auster "4 3 2 1"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Mrz 17

Paul Auster

4 3 2 1

Übersetzt von Gunkel, Schmitz, Singelmann, Stingl

Rowohlt

29,95 Euro
 

Paul Auster,  1947 in Newark, New Jersey, geboren, gehört zu den international erfolgreichsten zeitgenössischen amerikanischen Autoren. Er ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet, lebt in Brooklyn und hat zwei Kinder.
 
In diesem über 1.200 Seiten starken Roman erzählt Auster die Geschichte von Archie Ferguson, einem amerikanischen Jungen aus Newark. Archie ist der Nachfahre eingewanderter Juden, schon die verrückte Geschichte seines Großvaters und dessen Ankunft in den USA nahm mich spontan für dieses Buch ein. Sofort war ich mittendrin in dieser wunderbaren Familiengeschichte, war traurig mit Archies Mutter, fieberte mit ihrem Mann mit und liebte dieses Kind. Doch dann, plötzlich, im nächsten Kapitel ist alles anders, was vorher Tatsache war, ist jetzt nicht mehr real.

Kein Wunder, denn Auster, dieser begnadete Geschichtenerzähler, erzählt uns vier verschiedene Versionen von Archies Leben,  alternative Lebensvariationen. Einmal ist der Vater früh verstorben, ein andermal entwickelt sich dieser zu einem herzlosen Kapitalisten, dann wieder stirbt Archie selbst als Kind, in einer anderen Version ist er homosexuell. Einmal liebt er seine Cousine Amy wie verrückt, in anderen Kapiteln ist sie „nur“ seine beste Freundin.

Die Hauptcharaktere begleiten Archie in jedem dieser Leben, doch wie er und die Interaktionen dieser Menschen sich entwickeln, das ist jedes Mal ganz anders. Der Roman spielt in den 50ern und 60ern, Zeitgeschichte spielt eine große Rolle: Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, Rassenunruhen – ja, es ist ein sehr politischer Roman. Aber er ebenso ein erotischer, ein Liebes-, ein Familien-und Freundschaftsroman, ein Roman über Literatur, über das Schreiben, über den Sinn des Lebens und – das vor allem - ein hervorragender Entwicklungsroman.

So kompliziert sich die Struktur auch anhören mag, Auster versteht es wunderbar, den Leser mit wenigen Worten sofort in die „richtige“ Version zu versetzen.

Kritiker nennen 4 3 2 1 Austers „Opus Magnum“, ich kann bestätigen, dass sich das bestimmt nicht nur auf das Volumen bezieht. Es ist ein grandioser Roman – ein Muss nicht nur für eingefleischte Auster-Fans!
 
Elvira Hanemann

 

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