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John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“
Übersetzerin: Sophie Zeitz
Hanser Verlag 16,90 Euro
John Green wurde 1977 in Indianapolis geboren. Er studierte Englisch und Vergleichende Religionswissenschaften. Seinen Plan, Pastor zu werden, gab er nach einem Praktikum in einem Kinderkrankenhaus auf. Als Rezensent von Büchern kam er auf die Idee, selbst zu schreiben. Sein erster Roman „Eine wie Alaska“ war gleich ein solcher Erfolg dass er mittlerweile als „Kultautor“ bezeichnet wird. Die FAZ verstieg sich sogar zu einem Vergleich John Greens mit Philip Roth und mit John Updike.
Hazel ist 16 Jahre alt und krebskrank. Wenn sie etwas nicht leiden kann, dann ist es ein sentimentaler Umgang mit dem Thema. Krebsbücher beispielsweise findet sie blöd und kitschig. Sie hat auch keine Lust auf die Selbsthilfegruppe, zu der ihre Eltern sie aber immer wieder drängen und zu der sie nur geht, um diesen einen Gefallen zu tun. Sie hält sich dort sehr zurück . Eines Tages kommt ein neuer Junge, Gus zur Gruppe. Von Anfang an empfindet sie etwas für ihn, seine Coolness, die offensive und witzige Art wie er mit dem Krebs umgeht, ziehen sie an. Gus ist aber einer der wenigen, der seinen Krebs schon nahezu überwunden hat und die besten Heilungschancen hat. Hazel hingegen kann nur mit einem Lungengerät, das an Sauerstoffflaschen angeschlossen ist, überleben. Sie weiß, dass sie keine Aussicht auf Gesundung hat und nicht mehr allzu lange leben wird. Als sie erfährt, dass schon Gus’ erste Freundin an Krebs gestorben ist, beschließt sie für sich, dass man ihm diese Erfahrung auf keinen Fall ein zweites Mal zumuten darf. Auch als sie Gus’ Interesse an ihr nicht mehr verleugnen kann, dauert es noch ziemlich lange, bis die beiden zu ihrer Beziehung stehen. Doch wenn man einen solchen Seelenverwandten gefunden hat, jemand mit dem man über Bücher, über Philosophie, über Lieblingsfilme und über alles, was im Leben wichtig ist, so gut reden kann, dann ist das ein Glück. Ein Glück, das man ergreifen sollte – und das tun die beiden dann auch.
Für Hazel war ein bestimmtes Buch eines niederländischen Autors richtungsweisend und unendlich wichtig. Sie hatte dieses Buch schon so oft gelesen und immer wieder verzweifelte sie daran, dass es kein richtiges Ende hat. Ihr Herzenswunsch, das Ende ihres Lieblingsbuches zu erfahren, kommt ihr selbst ein wenig absurd vor und so sprach sie – außer eben mit Gus – mit niemandem darüber. Dieser jedoch nimmt ihren Wunsch so ernst, dass er es schafft gemeinsam mit Hazel in die Niederlande zu reisen, um den Schriftsteller zu besuchen. Dort wartet jedoch eine große Enttäuschung auf sie. Dass die anstrengende Reise dennoch ein „Erfolg“ war, lag eher an Gus als am Schriftsteller. In diesen Tagen erfüllte sich ihre Liebe sowohl körperlich wie auch seelisch. Als die beiden wieder zurück sind, wartet leider eine neue Überraschung auf Hazel: Bei Gus ist der Krebs wieder ausgebrochen. Wie lebt man eine junge Liebe, wenn die Frage nicht lautet: wie sieht unsere gemeinsame Zukunft aus? Sondern eher: wer von uns beiden wird den anderen zuerst alleine lassen? Hazel und Gus leben diese Liebe – und sie leben sie gut, intensiv und ehrlich!
Ganz hoch anzurechnen ist John Green, dass er ein über solches Thema, bei dem man ja sehr leicht Gefahr läuft, rührselig oder sentimental zu werden, absolut unkitschig schreibt.
Hazel ist eine Jugendliche, eine der die Eltern mit ihrer Übervorsichtigkeit auf die Nerven geht. Sie ist jemand, der einen sehr ironischen und kritischen Blick auf ihre Umwelt, auf Freunde und auf die Selbsthilfegruppe hat. Diese Ironie sowie ihre Jugend kommen in Greens Stil sehr gut zum Ausdruck. Manchmal flapsig, oft locker, stellenweise witzig, dann aber wieder – an den Stellen, an denen es passt – ernsthaft und bewegend. Die Treffsicherheit mit der Green den richtigen Ton trifft ist bewundernswert.
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 13 Jahren, das ist durchaus in Ordnung so, für Teenager ist das verständlich und auch zumutbar geschrieben, aber wer deshalb denkt, ein Erwachsener hätte nichts mehr von der Lektüre, liegt falsch. Hier handelt es sich um ein typisches „All – Age- Buch“.
Emotional, traurig, packend – aber eben auch: flüssig und locker geschrieben, ja sogar witzig. Eine wunderbar gelungene Gratwanderung!
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