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Dr. Eugen Nesper – „ein Leben für den Funk“

 


Ein Beitrag von Eva Liebchen

Das Haus in der Hähnelstraße 14Der Ingenieur Dr. Eugen Nesper, geb. am 25. Juli 1879 in Meiningen als Sohn des Meininger Theater-Stars Josef Nesper, gestorben am 4. Mai 1961 in Berlin, wohnte von 1921 bis 1926 in der Traegerstraße 2 in Friedenau, danach über 30 Jahre in der Hähnelstraße  14 (Foto). Er war einer der Pioniere der drahtlosen Nachrichtentechnik, des Rundfunks.  Im Laufe von 50 Jahren schrieb der Friedenauer nicht weniger als 36 – zum Teil populärwissenschaftliche – Bücher wie „Wie baue ich einen Detektor-Empfänger?“ (1925) oder „Notwendigkeit der richtigen Rundfunk-Antenne“ (1930).  Nesper erlebte und gestaltete die gewaltige Entwicklung  des Radios als Mitarbeiter fast aller in- und ausländischen Rundfunkanstalten mit – er hatte Weltruf!
 
Schon als Kind war er nach Berlin gekommen, weil sein Vater ein Engagement am Königlichen Schauspielhaus annahm. Sein Leben lang liebte er – neben Wien – Berlin, betrachtete es als seine Heimatstadt, nicht zuletzt deshalb, weil alle technischen Entwicklungen des Rundfunks ihren Ausgang in Berlin hatten. Er besuchte das Falk-Realgymnasium in der Lützowstraße, die Familie wohnte immer im Norden Schönebergs, seine ersten Einkäufe als Kind, um technisches Spielzeug selbst basteln zu können, tätigte er in der Potsdamer Straße; und als er 1908 heiratete, zog er mit seiner Frau in die Gossowstraße.

Nach dem Studium der Elektrotechnik an der TH Berlin, nach Doktorarbeit und Militärdienst, arbeitete er in den Firmen AEG und Telefunken und fand schnell Kontakt zu den berühmten Rundfunk-Experimentierern wie z. B. Graf Arco. Ab 1910 leitete er die Wiener Geschäftsstelle der Lorenz AG, kam aber bereits 1921 vor allem wegen der besseren Arbeitsmöglichkeiten  nach Berlin zurück, wo er gegen viele Widerstände, insbesondere der Post, versuchte, den Rundfunk einzuführen. Es kam sogar zu der absurden Situation, dass man ihn wegen seiner allzu forschen Forderung nach einem staatlich organisierten Rundfunk wegen „Verbreitung staatsgefährlicher Ideen“ verhaften wollte und Reichspräsident Ebert persönlich beim Postminister intervenieren musste, um die Sache beizulegen. 1923 war der Bann jedoch gebrochen. Am 29. Oktober fand die erste Rundfunksendung vom Voxhaus auf Welle 400 m statt.