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Nachtcafé Zum Guten Hirten

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Ein Beitrag von Hanna Lichtenthäler

Fotos: Gemeinde Zum Guten Hirten

Die Küche des Nachtcafes

 

Die Abende werden länger, die Nächte kälter. Während wir gut aufgehoben sind in der Wärme und Behaglichkeit unserer Wohnungen, drängen sich auf den steinernen Stufen zur Souterrainwohnung des Gemeindehauses am Friedrich-Wilhelm-Platz Menschen, die ein warmes Dach über dem Kopf suchen, um nicht unter freiem Himmel die Nacht zu verbringen.

Von November bis April können 15 obdachlose Menschen in drei Nächten der Woche kostenlos in einer bescheiden ausgestatteten Wohnung des  Gemeindehauses Zum Guten Hirten dicht an dicht auf Isomatten schlafen, sie bekommen warme Getränke, Abendessen und Frühstück. Sie werden betreut von ca. 25 Ehrenamtlichen, jung und alt, und studentischen Honorarkräften, alles Leute mit Herz und gesundem Menschenverstand. Jeweils zwei Mitarbeiter sind anwesend, bieten neben Bewirtung und Zuteilung der Schlafplätze auch Zuwendung durch Zuhören und Gespräche an. Einige Ehrenamtliche wirken mehr im Hintergrund: kaufen Lebensmittel ein, kochen warme Suppen, managen Dienstpläne, übernehmen Verwaltungsaufgaben, betreuen Spender.

Was sind das für Menschen, die zu uns kommen? Menschen ohne Bleibe. Sie tragen ihr Hab und Gut bei sich, sind vom langen Tag müde und abgekämpft.  An jedem Tag gibt es die gleichen Das Wäschelager im NachtcafeFragen: Wie komme ich über den Tag, wo finde ich einen sicheren Ort, wo bekomme ich etwas zu essen, wo kann ich trocken und warm schlafen? Die einen kommen mürrisch, wollen essen und schlafen,  sonst nichts, andere sitzen verschlossen da, wieder andere sind angespannt und laut. Der begrenzte Raum und die unterschiedlichen Toleranzgrenzen führen nicht selten zu aggressiver Gestimmtheit Einzelner. Streit schlichten und Grenzen setzen erfordert von uns Mitarbeitern Geschick und Einfühlungsvermögen – Spaß und gute Laune kennen wir aber auch.

Seit über 20 Jahren findet das Nachtcafé eine Menge Unterstützung: Brötchen und dicke Würste werden vorbeigebracht, auch mit gespendeten Söckchen, Schuhen und Hosen, Kopfschmerztabletten und Pflaster für die Wundversorgung können wir manchen guten Dienst tun. Ohne die beträchtlichen Kollekten von Kirchengemeinden und die großzügigen Geldspenden von Einzelnen könnten wir unsere Ausgaben nicht bewältigen. Immerhin kostet jede Nacht etwa 230 Euro. 

 


 

Das Nachtcafé ist eine sog. niederschwellige Schlafmöglichkeit im Rahmen der Berliner Kältehilfe, d.h. niemand wird abgewiesen, egal ob er betrunken, überaus schmutzig oder auffällig krank ist. Es gibt keine Personalkontrolle, wir kennen, wenn überhaupt, nur die Vornamen.

Das Speisenangebot im Nachtcafe

Sind die Plätze belegt, vermitteln wir an andere Nachtcafés oder Notübernachtungen. Natürlich fällt das Weiterleiten in tiefer Nacht und Kälte besonders schwer. Die Menschen kommen über Mundpropaganda, die Bahnhofsmission oder das Kältetelefon, die Zentralstelle der Berliner Kältehilfe. Und die Menschen, die selbst nicht mehr in der Lage sind zu kommen, werden durch den in der Stadt herumfahrenden Kältebus der Stadtmission aufgesammelt und vorbeigebracht.

Einer der beiden Schlafräume des Nachtcafes

Manche der obdachlosen Menschen sehen wir nur einmal, andere kennen wir seit Jahren; wir werden so mit den nachlassenden körperlichen und geistigen Kräften konfrontiert. In der persönlichen Begegnung hören wir von manch turbulentem Lebensweg, erahnen bei dem einen oder anderen den langen Kampf , dem Elend des Lebens auf der Straße zu entkommen; häufiger steht uns jemand gegenüber, der das Kämpfen schon lange aufgegeben hat.

Ganz gelegentlich hören wir davon, dass jemand wieder sesshaft geworden ist. Und erstmals machen wir jetzt die Erfahrung, dass ein Mann als Dank für unseren „guten Dienst“ ehrenamtlich mitarbeitet.

Träger des Nachtcafés sind drei evangelische Kirchengemeinden: die „Muttergemeinde“ Zum Guten Hirten in Schöneberg, Patmos in Steglitz und  Vaterunser in Wilmersdorf. 16 Winter hat das Nachtcafé jetzt Überlebenshilfe geleistet. Wir sind in jedem Jahr von Neuem erstaunt, wie insgesamt reibungslos die Arbeit verläuft.

Ist es ein Erfolg, wenn das Nachtcafé voll belegt ist? Wir denken ja, bei über 6.000 registrierten Obdachlosen in der Stadt und einer geschätzten Dunkelziffer von mehreren weiteren Tausend.

Wenn Sie das Nachtcafé unterstützen möchten:  KVA Berlin Mitte-West, Zum Guten Hirten-Gemeinde, Berliner Bank BLZ 100 200 00, Kontonr.: 4880 20 0000. Bitte als Verwendungszweck unbedingt "Nachtcafé" angeben. Vielen Dank!

Mehr über das Nachtcafé erfahren Sie hier...

 

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