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Karl und Luise Kautsky

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Das Erfurter Programm war nach Beendigung des Sozialistengesetzes das Programm, das Engels und Bebel aus einer großen Reihe von Entwürfen auswählten und dem sich auch die Programmkommission anschloss und zum Parteiprogramm erhob. Seine Grundsätze haben das Selbstverständnis der SPD im Kaiserreich und weit darüber hinaus entscheidend geprägt. Nur einige wichtige Punkte seien hieraus zitiert:

  • Entscheidung über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter des Volks,
  • Abschaffung der Klassenherrschaft,
  • Allgemeines, gleiches direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe ohne Unterschied des Geschlechts,
  • Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung einschränken oder unterdrücken,
  • Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau gegenüber dem Mann benachteiligen,
  • Verbot der Nachtarbeit


In den Wirren des 1. Weltkrieges löste sich Kautskys Bindung an Berlin allmählich. Er ging nach Wien und später, als Hitler Wien eroberte, nach Prag und weiter nach Amsterdam. Dort ist Karl Kautsky 1938, 84-jährig, gestorben. Der jüngste von seinen drei Söhnen – die übrigens in ihrer Friedenauer Zeit das Friedenauer Gymnasium (heute die Friedrich-Bergius-Schule, Anm. d. Red.) am heutigen Perelsplatz besuchten, hatte die Flucht ins Ausland nicht geschafft und kam ins KZ. Deshalb konnte sich auch Luise Kautsky nicht entschließen, der Einladung von Freunden nach England zu folgen, weil sie von dort überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn gehabt hätte. Wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag wurde sie ebenfalls verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Im Dezember 1944 starb sie nach einem beschwerlichen Transport, ohne ihren Sohn, der nur wenig entfernt von ihr untergebracht war, wiedergesehen zu haben.
Die Gedenktafel für Karl Kautsky am Haus in der Saarstraße 14
Die letzten Sätze aus Kautskys Lebenserinnerungen lauten: „Ob meine Lebensarbeit dem gesellschaftlichen Fortschritt gedient hat, ob sie in der richtigen Richtung vor sich gegangen ist, darüber steht die Entscheidung mir nicht zu. Wohl aber darf ich sagen, dass ich seit einem halben Jahrhundert, seitdem ich eine bestimmte Richtung eingeschlagen, nie wieder an ihr irre geworden bin. Ich hatte manche Illusion zu begraben und richtig zu stellen, meine Auffassungen hatten bis in die jüngste Zeit manche Entwicklung durchzumachen. Aber jede neue Einsicht diente nur dazu, meine Überzeugung von der Richtigkeit der Richtung, die ich eingeschlagen, und der Methode, die ich angewandt, zu vertiefen. So werde ich sterben, wie ich gelebt, als unverbesserlicher Marxist.“

 

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